Druck erzeugt Gegendruck. 5 Tipps für eine gelassene Reaktion.

Wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist es, wenn mir jemand eine Aufgabe aufdrückt, die für mich keinen Sinn ergibt oder die sogar eine negative Auswirkung auf mein Umfeld haben könnte. 

Gleichzeitig ist Druck nicht immer schlecht. Druck kann uns auch motivieren, besser und effizienter zu arbeiten. Etwas zu verändern oder überhaupt etwas zu machen.  Ich gehöre zu den Menschen, die so richtig in den Flow kommen, wenn die Deadline näher rückt. So war es damals auch bei meiner Diplomarbeit =) Den Trick des Zeitdrucks nutze ich heute auch noch. Mit einer Freundin mache ich  z.B. regelmäßig 20-minütige „5S“-Challenges*. Wir setzen uns ein festes Zeitfenster, um mit vollem Fokus an einem Thema – in dem Fall Sauberkeit und Ordnung- zu arbeiten. Das funktioniert einfach klasse. Im agilen Umfeld wird für diese vorbestimmten Zeitfenster auch das Wort „Timeboxing“ verwendet.

In unserem Alltag gibt es jedoch neben diesem positiven, motivierenden Druck auch negative Einflüsse. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der die alten hierarchischen Machtstrukturen und traditionellen Führungsmythen oft noch weit verbreitet sind. Die Quellen, die bei uns Druck erzeugen, können sehr unterschiedlich sein. Egal ob die Darstellung der Werbung von einer perfekten Welt oder die hohen Erwartungen an die Leistung seitens der Führungskraft, beides kann Stress als Reaktion auf den „Druck des Lebens“ auslösen. 

Welche Auswirkungen kann Druck haben? 

  • Grundsätzlich kann zu viel Druck zu Stress und Angst führen. Manche Menschen stehen bei der Arbeit unter großem Druck und nicht selten wird es an den KollegInnen, der Familie und dem Freundeskreis auslassen. Die Reaktion ist dabei oft gar nicht lautstark und direkt sichtbar, sondern eher mit einem Zurückziehen und Abkapseln verbunden.  
  • Je mehr Druck wir spüren, desto mehr Gegendruck erzeugen wir. Dies ist ein physikalisches Gesetz und eine natürliche Reaktion auf Stress. Desto mehr Druck in meinem Leben auf mich ausgeübt wurde, desto stärker ging ich zunächst in die Abwehrhaltung.  Das macht einfach keinen Spaß und kostet nur unnötige Energie.  Verhärtete Fronten hast du bestimmt auch schon in deinem Umfeld wahrgenommen. Nur wer sein eigenes Verhalten anpasst und den Druck rausnimmt, ändert dadurch auch die Gesamtdynamik.
  • Negativer und dauerhafter Druck führt zu geringerer Leistung und dem Ausbleiben von Innovationen. Ein Strudel, in den niemand hineingeraten möchte. Sowohl aus persönlicher als auch aus unternehmerischer Sicht ist eine Druck-Kultur eine Katastrophe. Durch Druck und negativem Stress verlieren wir schnell die Motivation. Demotivation führt wiederum zu einer reduzierten Leistungsfähigkeit. Sind wir also demotiviert, so fehlt die Begeisterung für unsere Tätigkeit, Ideen bleiben auf der Strecke und wir arbeiten nur noch nach Schema F die Dinge ab.  Unsere Arbeitszeit nutzen wir nicht mehr effizient. Ideen bringen wir erst recht nicht mit ein.  Auch die Gefahr von psychischen Krankheiten wie Burnout steigt.  Diese Kultur kann sich letztlich kein Unternehmen auf Dauer leisten.

Doch die gute Nachricht: Wir haben es selbst in der Hand.  

Gerne erinnere ich mich an den Coach,  der mich und das restliche Führungsteam damals über mehrere Jahre begleitete. Er kitzelte die kleinen Triggerpunkte in jedem von uns hervor. Uns allen vermittelte er immer wieder, dass wir selbst in die Verantwortung gehen müssen. Niemand anderes ist verantwortlich, wie wir uns fühlen. Und auch nicht, wie wir reagieren. Unser Verhalten hat Einfluss auf andere. Was wir vorleben, insbesondere als Führungsteam, ist entscheidend für die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur. Das Zitat trifft es ziemlich gut.  

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt die Macht unserer Wahl. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit. 

Viktor Frankl

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum.“- genau dieser erste Satz ist für mich der Schlüssel gewesen.  Ich mag das Gefühl, dass ich es selbst in der Hand habe =) Entscheidend ist also, wie wir auf den Druck reagieren. Und genau diese Reaktion ist unsere persönliche Weiterentwicklung.

Es gibt viele Möglichkeiten, mit Druck gesund umzugehen. Kommen wir nun zu meinen fünf liebsten Alternativen zum Gegenangriff und stattdessen Druck aus dem System zu nehmen.

  1. Durchatmen und kurz innehalten. In den Situationen verlieren wir gerne das Zeitgefühl. Also zähle innerlich rückwärts 5,4,3,2,1 bevor du etwas sagst. Das „kühlt“ unser Gehirn schon etwas ab und lässt die erste Wutwelle vorbeiziehen.  
  2. Überprüfe, ob du es richtig erfasst hast. Bevor du antwortest und ihr euch nur noch Argumente an den Kopf werft, stelle sicher, dass du es auch wirklich richtig verstanden hast. Gesagtes ist nicht immer auch das Gemeinte. Manchmal drücken wir uns einfach ungeschickt aus. Fasse das, was du verstanden hast, kurz mit deinen eigenen Worten zusammen und stelle die Frage, ob du es so stimmt.  Du kannst gut einleiten mit: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe.“ Und dann folgt die Zusammenfassung: „Bist du wütend, weil die Ergebnisse heute noch nicht fertig erstellt sind?“ oder „…die Arbeit schon wieder auf deinem Tisch gelandet ist?“  Oft nimmt dies schon die heiße Luft raus. Außerdem ist dies gleichzeitig eine Reflexion für dein Gegenüber. Diese knappe Zusammenfassung braucht ein bisschen Übung. Also beginne am besten direkt bei der nächsten Gelegenheit =)  
  3. Schaue auf deine Triggerpunkte. Verstehe dich selbst und deine Trigger. Überlege dir im Vorfeld, welche Themen, Aussagen oder Gestiken dich verärgern. Und mache dir bewusst, wie du in solchen Situationen gerne wahrgenommen werden möchtest. Gehe gedanklich die Alternative zum Gegenangriff durch. Das kannst du auch sehr gut mit dem „Kreativen Kopfstand“ durchspielen.  Nehme dir einen Zettel und notieren in 45 Sekunden dein umgedrehtes, negatives Ziel. Dies könnte z.B. sein: Wie könnte das Szenario im schlechtesten Fall sein? Stelle dir die Frage, was du machen musst, damit es genauso schlecht wird?  Also, was muss passieren, dass du als „ganz schrecklicher“ Gesprächspartner wahrgenommen wirst? Was bringt dir // oder kreativer Kopfstand als Tipp. Was ist deine schlechteste/ Horror Reaktion auf eine Druckreaktion (oder was dich reizt) . Was muss (Verbal und nonverbal) du machen, damit du mit dieser Horror Reaktion antwortest?  Danach stellst du  –> Timer 3 Minuten. Antworten notieren
  4. Erkenne die positiven Absichten des Gegenübers.  Genau wie deine Trigger mit den bewussten und unbewussten Verhaltensmustern, so haben dies auch die Anderen. Wenn wir diese verstehen, erzeugt dies Mitgefühl und dann können wir selbst gelassener mit der Situation umgehen.  Was treibt die Person an?  Welche Erwartungen werden an sie gestellt? Oft stehen die Personen selbst unter einem enormen Druck und sind aktuell nicht in der Lage anders damit umzugehen. 
  5. Sehe das große Ganze. Wie wichtig ist das Thema aktuell wirklich und wie viel Raum gibst du diesem? Mir hilft dabei eine simple Frage: „Ist das in zehn Jahren noch wichtig?“ Dadurch relativieren wir oft einzelne emotionale Situationen und sehen klarer. 

Viele lassen sich von Emotion treiben, ohne das eigene Verhalten wirklich zu verstehen. Sie reagieren nur, statt zu agieren. Übrigens kommt der Druck nicht immer nur von außen. Viel zu oft sind wir selbst unser größter Kritiker. Dabei kann das (Arbeits-) Leben doch viel schöner sein. Es gibt viele Möglichkeiten auch mit kritischen Situationen entspannter umzugehen. Wichtig ist, dass du deine eigene Strategie hierfür entwickelst. Das, was für dich gut funktioniert. 

Wenn du dir noch weitere Impulse wünschst, dann buche dir hier einfach direkt einen Kennlern-Espresso und wir schauen, wie ich dich am besten unterstützen kann.

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*5S: Ist eine japanische Methode aus dem Lean Management. In fünf Schritten, die jeweils mit Buchstaben „S“ beginnen, wird Ordnung und Sauberkeit im Arbeitsumfeld geschaffen. Dies lässt sich auch super auf den Privatbereich übertragen. Möchtest du mehr dazu erfahren? Dann lass es mich einfach über das Kontaktformular wissen und ich schreibe gerne ein Blog Artikel hierzu. 

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