Shownotes Lean & Lead Podcast Folge #60
Läuft. Aber wie gut?
Über OEE, versteckte Verluste und warum „läuft“ noch nicht „liefert“ heißt.
342 gute Kartons stehen am Ende der Linie. Für den Auftrag brauchen wir 300. Die OEE liegt bei 76 Prozent. Trotzdem geht die Ware nicht raus.
Kein Widerspruch. Nur zwei verschiedene Blickwinkel.
Die OEE zeigt, wie wirksam die Anlage in der geplanten Produktionszeit arbeitet. Sie macht Stillstand, Geschwindigkeitsverluste und Qualitätsverluste sichtbar. Was sie nicht automatisch zeigt: ob das Material rechtzeitig an der Linie war, die richtige Etikettenversion bestätigt wurde, die Charge freigegeben ist und der Kundenauftrag wirklich weiterfließt.
In dieser Folge geht es darum
- wie sich OEE aus Verfügbarkeit, Leistung und Qualität zusammensetzt
- warum 76 Prozent OEE keine Bewertung wie bei Schulnoten sind, sondern ein Einstieg in die Verlustanalyse
- wo SMED, TPM, Gemba und Jidoka in unserem Prozess helfen
- warum Materialfluss und Informationsfluss gemeinsam betrachtet werden müssen
- wie eine fehlende Freigabe die Durchlaufzeit verlängert- auch wenn die Produktion längst fertig ist
- und wie KI wiederkehrende Wartezeiten und Übergabemuster sichtbar machen kann, statt nur Erinnerungsmails schöner zu formulieren
Die Rechnung aus der Folge
450 Minuten geplante Produktionszeit
405 Minuten Laufzeit = 90 Prozent Verfügbarkeit
360 produzierte Kartons = knapp 89 Prozent Leistung
342 Gutteile = 95 Prozent Qualität
90 Prozent × 89 Prozent × 95 Prozent = rund 76 Prozent OEE
Die Lücke entspricht rechnerisch 108 möglichen Gutteilen: 45 Minuten Rüsten, 45 Minuten Zeitäquivalent aus Kurzstopps und langsameren Zyklen sowie 18 Kartons Nacharbeit. Drei Verluste. Drei unterschiedliche Ansatzpunkte. Das ist konkreter als der Satz: „Die Schicht war schlecht.“
Drei Impulse
- Verluste benennen statt Kennzahlen bewerten
Frag nicht nur: „Wie hoch ist unsere OEE?“ Frag: „Welcher Verlust steckt dahinter: wann, wie oft und wie viele Minuten?“ Die Zahl zeigt die Lücke. Die Ursache findest du im Prozess. - An die Übergabe gehen
„Bereitgestellt“ kann heißen: gepickt, auf dem Stapler oder tatsächlich am definierten Platz neben der Linie. Klärt, woran der nächste Bereich eindeutig erkennt, dass er übernehmen kann. - Nach der Anlage nicht aufhören
OEE endet an der Anlage. Der Kundenauftrag nicht. Prüft zusätzlich Durchlaufzeit, Freigaben und zugesagte Versandtermine. Sonst optimiert ihr die Maschine – und der Auftrag wartet trotzdem.
Dein 24-Stunden-Impuls
Nimm einen echten Auftrag oder eine Schicht und notiere z.B. die sechs Zeitpunkte:
- Auftrag vollständig
- Material an der Linie
- Produktionsstart
- erster guter Karton
- Charge frei
- Ware verladen
Markiere dazwischen Wartezeiten sowie Wechsel zwischen ERP, Mail, Telefon und persönlicher Rückfrage. Dann stell eine Frage: Wo steht bei uns „fertig“, obwohl der nächste Bereich noch wartet?
Für einen administrativen Prozess funktioniert das genauso: Eingang, Rückfragen, Freigabe und Abschluss markieren. Bearbeitungszeit und Liegezeit getrennt betrachten.
Mut zur KI
Wenn belastbare Zeitstempel vorliegen, lass KI die letzten 50 Aufträge nach wiederkehrenden Mustern durchsuchen: Ware vor dem geplanten Versand fertig, Freigabe noch offen. Häufung an bestimmten Produkten, Schichten oder Übergaben. Die Ergebnisse prüft ihr anschließend an den realen Vorgängen.
Wer KI nur die fünfte „Wo bleibt die Freigabe?“-Mail schöner schreiben lässt, formuliert die Wartezeit bloß höflicher.
OEE endet an der Anlage. Der Kundenauftrag nicht.
Weitere passende Podcastfolgen
Lean & Lead #18: Einfach besser Rüsten mit SMED. Wie du Rüstzeiten gemeinsam mit dem Team verkürzt und den Ablauf stabilisierst.
Lean & Lead #16: Raus aus dem Meetingraum. Rein ins Leben. Wie Gemba und Genchi Genbutsu Führung dorthin bringen, wo die Arbeit passiert.
Lean & Lead #28: Vom Industriemechaniker zum Lean-Experten und was das mit Segeln und Sanieren zu tun hat. Im Gespräch mit Ulrich Schleuter, SMED und Instandhaltungs-Experte.
… und noch viele mehr 😉
✨ „Lean & Lead – Wegen schlechter Führung geschlossen!“ erscheint jede Woche dienstags mit praxisnahen Impulsen. Jetzt abonnieren und keine Folge verpassen!
🌐 https://byclaudiaschmidt.com/podcast-leanlead/
🍎 Apple Podcasts
🎵 Spotify
Auf allen Plattformen findest du auch die bisherigen Folgen – zum Nachhören und Weiterempfehlen.
⭐⭐⭐⭐⭐ Hat dir die Episode gefallen?
Dann abonniere Lean & Lead – Wegen schlechter Führung geschlossen und lass mir gerne eine Bewertung da. So hilfst du, dass noch mehr Fach- und Führungskräfte in der Industrie Lean & Lead entdecken können.
❓ Du hast Themenwünsche oder eine Person im Kopf, die ich unbedingt in den Podcast einladen sollte? Dann lass es mich wissen!
Schreib mir einfach über LinkedIn:
https://www.linkedin.com/in/byclaudiaschmidt/
oder per E-Mail:
info@byclaudiaschmidt.com
